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Neues Versorgungskonzept für ältere Menschen in Pflegeeinrichtungen mit teleophthalmologischen Ansatz

Im Rahmen der Aktionswoche zum diesjährigen Sehbehindertentag waren alle Landesvereine eingeladen, zum Thema „Sehbehinderung und Pflege“ Mitarbeitenden von Pflegeinrichtungen Sensibilisierungskurse anzubieten. Wie wichtig dieses Thema ist, zeigt schon 2017 die Studie OVIS (Ophthalmologische Versorgung in Seniorenheimen) der Stiftung Auge. Die Ergebnisse der Studie zeigten eine unzureichende augenmedizinische Versorgung in Pflege- und Seniorenheimen. In einer Pressekonferenz stellte nun die Stiftung Auge die Erkenntnisse der Studie Telemedizinische Ophthalmologische Versorgung In Seniorenheimen (TOVIS) vor. Auf Grundlage dieser Studie wurde beim Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) ein neues Versorgungskonzept eingereicht.

Seit Veröffentlichung der OVIS-Studie gab es – teils auch Pandemiebedingt – keine Reformen, die die augenmedizinische Versorgung bei Seniorinnen und Senioren in Pflegeeinrichtungen verbessert hätten. Die Studie zur Telemedizinischen Ophthalmologischen Versorgung In Seniorenheimen (TOVIS) dient dazu, ein neues, innovatives Versorgungsmodell zu entwickeln.

Es handelt sich dabei um eine teleophthalmologische Shared-Eye-Care-Pilotstudie in drei Einrichtungen in und um Bonn. Shared Eye Care bedeutet: Nicht ärztliche medizinische Fachangestellte und Optometristinnen bzw. Optometristen untersuchen die Seniorinnen und Senioren vor Ort, die Augenärztinnen und Augenärzte der Uniklinik Bonn stellen dann telemedizinisch aus der Ferne einen Befund.

Die TOVIS-Studie, die insgesamt 139 Seniorinnen und Senioren im Alter von rund 81 Jahren umfasste, lieferte erneut Zahlen für das Ausmaß des Versorgungsdefizits: 65 Seniorinnen / Senioren (46,8 Prozent) hatten eine Katarakt, 52 Seniorinnen / Senioren (37,4 Prozent) wiesen pathologische Veränderungen der Netzhaut auf. 33 (23,7 Prozent) litten an einer altersabhängigen Makula-Degeneration (AMD). Die Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer (49,6 Prozent) hatte zum Zeitpunkt der Untersuchungen keinen Augenarztbesuch geplant.

Die Ergebnisse der TOVIS-Pilotstudie zeigen, dass ein telemedizinischer Ansatz Teil einer mehrstufigen neuen Versorgungsform sein kann. Damit könnte die augenmedizinische Versorgung in Senioreneinrichtungen verbessert werden. Bislang fehlt eine solche etablierte Versorgungsform in Deutschland. Insbesondere Bewohnerinnen und Bewohner von Senioreneinrichtungen mit eingeschränkter Mobilität können davon profitieren. Die praktikable und relativ einfache Durchführbarkeit dieser Untersuchungen sollte es in Zukunft ermöglichen, behandlungsbedürftige Patientinnen und Patienten frühzeitig einer notwendigen augenärztlichen Therapie zuzuführen, um irreversible Seheinschränkungen zu vermeiden.

Das Konzept soll jetzt mit 10.000 Personen aus rund 250 Einrichtungen in drei Bundesländern getestet werden. Dafür wurde beim Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) dieses Konzept eingereicht.

Über die noch nicht publizierten Daten berichtete Frank G. Holz, Vorsitzender der Stiftung Auge und Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn bei einer Pressekonferenz. Über die noch nicht publizierten Daten berichtete Frank G. Holz, Vorsitzender der Stiftung Auge und Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn bei einer Pressekonferenz.

Die telemedizinische ophthalmologische Versorgung in Seniorenheimen (TOVIS) diene dazu, ein neues Versorgungsmodell zu entwickeln, erklärte Holz. Diese wurde in einer teleophthalmologischen Shared-Eye-Care-Pilotstudie mit knapp 140 Senioren in drei Einrichtungen getestet.

Holz erklärte das Konzept des Shared-Eye-Care wie folgt: Nicht ärztliche medizinische Fachangestellte und Optometristen untersuchen die Senioren vor Ort, die Augenärztinnen und Augenärzte der Uniklinik Bonn stellen dann telemedizinisch aus der Ferne einen Befund.

„Natürlich kann die Befundung nicht so umfänglich sein wie in einer Augenarztpraxis, aber die wesentlichen Befunde sind möglich“, sagte der Ophthalmologe aus Bonn. Dazu zähle eine Sehschärfenbestimmung und eine Augeninnendruckmessung.

Mit einer Kamera könnten medizinische Fachangestellte und Optometristen zudem automatisiert den Augenvorderabschnitt sowie die Netzhaut aufnehmen. Hier seien Veränderungen zu sehen, die durch einen Diabetes oder die altersbedingte Makuladegeneration verursacht werden.

Die Stiftung Auge geht davon aus, dass insbesondere Bewohner von Senioreneinrichtungen mit eingeschränkter Mobilität von einem Shared-Eye-Care-Versorgungsansatz profitieren könnten, der eine patientennahe

Routineuntersuchung und telemedizinischen Zugang zu fachärztlicher Expertise ermöglicht.

Mit diesen im Wesentlichen drei Geräten könne das Auge zuverlässig und umfänglich untersucht werden, fasste Holz zusammen. Die Untersuchung sei praktikabel und relativ einfach durchführbar. Der Vorsitzende der Stiftung Auge räumte auf Nachfrage aber auch ein: „Bei circa neun Prozent war die Qualität der Netzhautscans unzureichend für eine genaue Beurteilung.“ Hingegen konnte insbesondere bei den Visusprüfungen eine normale Befundung auf Basis der nicht ärztlichen Messungen durchgeführt werden.

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Statement des Aktionsbündnis-Mitglieds Inclusion AG 

„Barrierefreiheit ist mehr als rollstuhlgerecht und gerade für ältere Menschen mit Sehproblemen wichtig, auch in Hinblick auf Treppensicherheit und Sturzgefahr.“

Inclusion AG