Startseite / Aktuell / Meldung

Neue Behandlungsmöglichkeit bei AMD

Das Verfahren und die Technik

Der Eingriff: Unter der Leitung von Prof. Dr. Salvatore Grisanti (Klinik für Augenheilkunde) wurde ein ca. 2 × 2 mm großer, subretinaler Chip direkt in die Mitte der Netzhaut (Makula) implantiert.

Die Funktionsweise:

Eine Makuladegeneration führt zu Sehstörungen im zentralen Gesichtsfeld. Der Chip übernimmt die Funktion der abgestorbenen lichtempfindlichen Sehzellen. Er arbeitet mit einer speziell angepassten Infrarot-Spezialbrille zusammen.

Und das funktioniert laut US-Hersteller Science so: Der Chip wird an die Stelle unter der Netzhaut implantiert, an der die Zellen abgestorben sind. Der Patient muss dann eine spezielle Brille aufsetzen, die die Umgebung filmt und das Bild per Infrarotlicht an den Chip sendet. Der wandelt das Signal in elektrische Impulse um, die an das Gehirn weitergegeben werden. Der Patient kann dadurch das gefilmte Bild sehen.

Studie: Chip verbessert Sehschärfe nach 12 Monaten

Entwickelt wurden Chip und Brille von einem internationalen Forscherteam. Nach einer Studie mit 38 Teilnehmenden wurde die Technik im Juli 2026 in Europa als Medizinprodukt zugelassen. Laut Studie, die im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurde, konnte der Netzhautchip die Sehschärfe bereits nach zwölf Monaten signifikant verbessern.

Das noch bestehende Sichtfeld an den Seiten veränderte sich demnach nicht, und das Implantat wurde insgesamt gut vertragen. Gisela Sudhop ist die erste Patientin weltweit, der der Chip seit der Zulassung eingesetzt wurde.

UKSH Lübeck führt erste OP nach Marktzulassung durch
Implantiert hat ihn Augenarzt Salvatore Grisanti vor etwa drei Wochen am Uniklinikum Lübeck. Laut dem Klinikleiter ist der Chip ein Quantensprung: "Die Besonderheit hier ist die Größe, die Miniaturisierung, dass keine Verbindung zum Äußeren des Auges, keine Verkabelung nach außen vorliegen muss."

Etwa 5.000 Menschen in Deutschland erblinden jährlich durch eine Makuladegeneration.
Die OP an Sudhops Auge sei gut verlaufen: "Wir erwarten, dass sie durch den Chip eine Lesefähigkeit von mittelgroßen Buchstaben erreichen wird." Die Studie habe bereits nachgewiesen, dass Patienten, die vorher nicht mehr lesen konnten, jetzt wieder Buchstaben erkennen, teils ganze Wörter oder ganze Zeilen. "Einige sogar ein ganzes Buch," so der Klinikleiter.

Nicht vergleichbar mit natürlichem Sehen

Vergleichbar mit dem natürlichen Sehen sei das, was der Chip liefert, allerdings nicht. Patienten sehen Graustufen, erkennen teils Konturen oder eben Buchstaben. Für Gisela Sudhop wäre das bereits ein großer Erfolg. Sie ist im Alltag auf die Hilfe ihres Mannes angewiesen.

"Ich erhoffe mir ein bisschen mehr Lebensqualität, dass ich in meinem Alltag wieder ein bisschen besser klarkomme und meinen Mann wieder etwas entlasten kann." Bis es soweit ist, ist es allerdings noch ein langer und anstrengender Weg.

Gehirn muss "Sehen" mit Brille und Chip trainieren
Im Sprechzimmer wird das Licht ausgeschaltet. Die Feinjustierung der Brille ist abgeschlossen, jetzt soll sie aktiviert werden. Zwei Frauen geben Gisela Sudhop Anweisungen, schauen abwechselnd zu ihr, dann wieder auf einen Laptop. "Ich sehe jetzt einen roten Ball und da ist ein weißes ovales Symbol drin. Also das wandert so ein bisschen von links nach rechts," sagt Gisela Sudhop. "Sehr gut," lobt sie eine der Frauen.

Die 80-jährige Patientin muss jetzt trainieren. Ihr Gehirn muss lernen, mit Chip und Brille umzugehen. Die Reha soll sechs Monate dauern und hauptsächlich bei Gisela Sudhop zu Hause stattfinden. Erst dann lässt sich sagen, ob der Netzhautchip bei ihr wirklich funktioniert.

Kostenübernahme noch nicht geklärt

Laut dem Uniklinikum Lübeck ist die Implantierung des Netzhautchips eine der anspruchsvollsten Operationen in der Augenheilkunde. Sie kann demnach nur an wenigen spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Ob und wie die Kosten künftig von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt.

Reha und Training

Sehtraining: Das Sehen mit dem Chip erfordert ein intensives Gehirn- und Augentraining. Auf die Operation folgt ein rund 6-monatiges Heim- und Rehatraining (z. B. das Erkennen von Buchstaben), um zu erlernen, die neuen Signale im Gehirn zu verarbeiten.

Quelle und Originalbericht

Zurück

Statement des Aktionsbündnis-Mitglieds Franz Badura

„Notwendige gesundheits­politische Ver­besserungen in der Versorgung und Behandlung von Augen­patienten können nur durch thematische Allianzen durch­gesetzt werden.“

Franz Badura

Franz Badura trägt kurzes, zurückgekämmtes graues Haar, eine Brille und ein dunkelblaues Sakko mit weißem Hemd.