Sehbeeinträchtigungen im Alter

Unabhängig von Augenkrankheiten nehmen die Sehschärfe, die Anpassungsfähigkeit des Auges an die jeweilige Sehentfernung und Helligkeitsunterschiede sowie die Kontrastempfindlichkeit mit zunehmendem Alter ab.

Lichtbedarf und Blendempfindlichkeit sind im Alter erhöht. Eine Sehbehinderung tritt häufig nicht abrupt auf, sondern kann sich allmählich einstellen, heimtückisch und progressiv verschiedene Lebensbereiche betreffen.

Wenn das Sehvermögen abnimmt, wird dies meist als Verlust an Lebensqualität empfunden. Hörschwächen oder auch Gleichgewichtsstörungen können visuell nicht mehr kompensiert werden. In einer neuen oder ungewohnten Umgebung ist es für den sehbehinderten Menschen schwieriger, die für ihn wichtigen Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten, beispielsweise um sich orientieren oder sicher fortbewegen zu können.

Sehbehinderung ist schwierig zu definieren. Das Sehen zwischen „gut sehen“ und „blind sein“ bleibt ein Stück weit rätselhaft. Einschränkungen und Behinderungen unterscheiden sich sehr, je nach Beeinträchtigung des Sehvermögens. Kommt es zudem zu Schwankungen im Allgemeinzustand oder ändern sich die Umgebungsbedingungen, wirkt sich dies zusätzlich negativ auf das Leistungsvermögen des älteren Menschen aus.

Wie lässt sich feststellen, ob jemand schlecht sieht?

Für den Laien ist es selten möglich, eine Sehschwäche nur am Aussehen des Auges zu erkennen, und es fehlen in der Regel offensichtliche Anzeichen wie z. B. ein Rollstuhl bei einem gehbehinderten Menschen. Wie kann man sich die Schwierigkeiten eines Menschen, der schlecht sieht, vorstellen?

Wir sind erstaunt und geraten ins Zweifeln, wenn jemand einen dünnen Faden auf dem Tisch sieht, gleichzeitig aber die Zeitung nicht mehr lesen kann. Hier tut Erklärung not.

Sind alle Brillenträger und Brillenträgerinnen sehbehindert?

Ob kurzsichtig, weitsichtig oder astigmatisch (verzerrt sehen aufgrund einer Hornhaut-verkrümmung): Mit einer Brille werden die Fehlsichtigkeit des Auges korrigiert und das Bild auf der Netzhaut wieder scharf abgebildet. Stellt sich mit der Zeit eine Altersweitsichtigkeit ein, „werden die Arme zu kurz“, dann wird die Lesebrille unentbehrlich. Mit ihr kann ein komfortabler Leseabstand eingehalten werden.

Als sehbehindert bezeichnet man eine Person, die trotz angepasster Brille die Zeitung nicht mehr lesen oder sich an unbekannten Orten nicht mehr sicher und selbstständig fortbewegen kann.
Wir haben Alltagssituationen bildlich dargestellt, die Sie einladen sollen, Ihren Alltag einen Augenblick zu verlassen, um die Welt so zu entdecken, wie sie sehbehinderte Menschen erleben. Es sind zwei typische Situationen, denen die Bewohner eines Alters- und Pflegeheims täglich begegnen: das Eintreten einer Pflegeperson ins Zimmer und das Servieren der Mahlzeit im Speisesaal.

Verschwommenes Sehen

Betrachten wir einen Gegenstand, muss das Licht die Hornhaut, die Linse und den Glasköper durchdringen, bevor der Gegenstand auf der Netzhaut abgebildet wird. Verändert sich die Lichtdurchlässigkeit dieser Organteile (z. B. bei einer Trübung der Linse durch den Grauen Star), sieht die betroffene Person wie durch einen Nebel, der immer dichter wird. Entsprechend schwierig werden alltägliche Verrichtungen.
Die Umrisse des betrachteten Objektes sind weniger scharf Einzelheiten können nicht genau wahrgenommen werden Farben erscheinen blass Lichtquellen blenden.

Person wird verschwommen wahrgenommen das Essen auf dem Teller wird nur verschwommen wahrgenommen

Beeinträchtigung des zentralen Sehvermögens

Person wird unscharf wahrgenommen, wie hinter einer NebelwandAuf der Netzhaut befindet sich eine lichtempfindliche Zellschicht mit den Rezeptoren Zapfen (Farbsehen) und Stäbchen (Dämmerungssehen). Das Zentrum des schärfsten Sehens auf der Netzhaut heißt Makula. Mit der Makula erkennen wir, dank der Dichte an Zapfen, Einzelheiten und Farben. Krankhafte Veränderungen in diesem Bereich vermindern die Sehschärfe. Das, was mit dem Auge fixiert wird, „verschwindet“, „ist wie hinter einem Nebel“, deshalb ist es schwierig

 

  • Gesichter bzw. bekannte Personen zu erkennen
  • Details zu erkennen
  • in schwach beleuchteten Räumen Tätigkeiten auszuführen

Diese Beeinträchtigung hat u. a. Folgen für das Aufnehmen von Informationen (Zeitung lesen, Lesen der eigenen Handschrift, Fernsehen) und für feine, manuelle Tätigkeiten (Nähen, Werken etc.).
Die häufigste Augenkrankheit mit diesen Einschränkungen ist die altersabhängige Makula-Degeneration (AMD).

Eingeschränktes Gesichtsfeld

Eingeschränktes GesichtsfeldMit dem Rand der Netzhaut (Peripherie) nehmen wir das Gesamtbild wahr. Das periphere Sehen ist wichtig für die Orientierung im Raum und für die Wahrnehmung von Bewegung.

Eine pathologische Veränderung der Netzhautperipherie führt zu einer Einschränkung des Gesichtsfeldes. Dies erschwert: das Sichzurechtfinden in einem Raum („Röhrenblick“, Sehen wie durch ein Schlüsselloch) das Sehen in der Dämmerung Diese Beeinträchtigung wirkt sich besonders auf die Mobilität und auf das Erkunden von großen oder komplexen Räumen aus.

Das selbstständige Führen des Haushaltes ist erschwert, obwohl am helllichten Tag trotz der Beeinträchtigung Einzelheiten oder kleine Gegenstände sehr gut wahrgenommen werden können.

Hemianopsie

Die durch die Rezeptoren der Netzhaut erfassten Informationen werden im Gehirn verarbeitet. Wird die Verbindung zwischen Augen und Gehirn teilweise unterbrochen (z. B. durch einen Tumor oder einen Hirnschlag), kann es zu einem halbseitigen Gesichtsfeldausfall kommen. Das ist ein Beispiel von vielen Sehbeeinträchtigungen zerebralen Ursprungs.

  • Eine Hälfte des Raumes wird nicht wahrgenommen
  • Hindernisse auf der „blinden“ Seite werden nicht gesehen; die Person stößt an
  • Fehlende Bilder werden vom Gehirn ergänzt
  • Zeilenanfänge werden nicht gesehen, d. h. nicht gelesen

Gesichtsfeldausfall Gesichtsfeldausfall nur halber Teller sichtbar

Nicht immer ist sich die betroffene Person dieser Schwierigkeiten bewusst. Das Risiko für Stürze ist erhöht. Der Gesichtsfeldausfall wird nicht spontan durch gezielte Suchbewegungen der Augen oder durch Kopfdrehen kompensiert.

Veränderung der Kontrastempfindlichkeit

Mit zunehmendem Alter nehmen nicht nur die Sehschärfe, sondern auch die Kontrastempfindlichkeit und unsere Fähigkeit, Farbnuancen zu unterscheiden, ab.

Dies ist ganz normal, kann jedoch zu Problemen führen beim:

  • Erkennen von Gesichtern, von Mimik
  • Erkennen, ob ein Glas mit Wasser gefüllt oder leer ist
  • Erkennen des Wertes eines Geldstücks
  • Zeitunglesen

ältere Dame beim GeldzählenIn seiner gewohnten Umgebung entwickelt der sehbehinderte Mensch meist Strategien, um eine solche Beeinträchtigung zu kompensieren: Er „erkennt“ beispielsweise bestimmte leuchtende Farbflecken als seinen Stuhl, seine Jacke, sein Radio. Wird er besucht, wartet er, bis er angesprochen wird, um die Person an ihrer Stimme zu erkennen. Mit dem Tastsinn wird kontrolliert, wie viel Wasser sich im Glas befindet oder um welche Münze es sich handelt.

Licht und seine Auswirkungen

Ältere Menschen benötigen im Allgemeinen mehr Licht als junge Menschen. Doch auch hier gibt es Unterschiede: Manche brauchen eine sehr starke Beleuchtung, andere wiederum leiden unter Blendung und bevorzugen das Halbdunkel. Wobei anzumerken ist, dass Blendung meist Folge inadäquater Beleuchtung ist.

Verlangsamte Anpassung an Helligkeitsunterschiede

Ist diese Anpassung verlangsamt, ist das eine erhebliche Beeinträchtigung für einen sehbehinderten Menschen. Der Übergang von einem beleuchteten Korridor in ein dunkles Zimmer verlangt vom Auge eine rasche Anpassung an die neue Umgebungsbeleuchtung. 12 Der Sehbehinderte ist in einer solchen Situation gezwungen, stehen zu bleiben, bis sich die Augen an die neuen Lichtverhältnisse angepasst haben.

Blendempfindlichkeit

Blick auf Pflegestation mit starker Blendung Die Blendung ist eine vorübergehende Sehstörung, die durch eine zu hohe Lichtstimulation ausgelöst wird.

Für sehbehinderte Menschen kann sie sehr störend sein. In einigen Fällen verursacht sie Schmerzen und schränkt die Betroffenen in ihren Aktivitäten erheblich ein.

 

Folgende Situationen können für blendempfindliche Menschen schwierig sein:

  • wechselnde Hell-Dunkel-Bereiche, die das Auge anstrengen und ermüden
  • starke Lichtquelle im Gesichtsfeld
  • Lichtreflexionen am Boden. Licht, das durch ein Fenster einfällt und auf dem Boden reflektiert wird, blendet und kann zu Unsicherheiten führen.

Gegen Blendung von oben und von vorne kann man sich mit einer Schirmmütze und einer Sonnenbrille schützen. Ist die Sonnenbrille aber zu dunkel, führen Schattenbereiche zu Unsicherheiten. Um nicht geblendet zu werden, sitzt man in Räumen vorzugsweise mit dem Rücken zum Fenster, z. B. im Speisesaal. Für im Bett liegende Personen sollten an der Decke keine Lichtquellen (Leuchtstoffröhren, Glühlampen) sichtbar sein.

Die Zimmer sollten mit Vorhängen und höhenverstellbaren Jalousien ausgestattet sein, damit je nach Intensität das Tageslicht reduziert werden kann. Ein mit einem Regler oder Dimmer ausgestatteter Lichtschalter erlaubt ein Dosieren der Lichtmenge. Schon ein Teppich kann Bodenreflexe vermeiden.

Entnommen aus der Broschüre "Sehbehinderte Menschen in Alterseinrichtungen"

Weitere Informationen zu Sehhilfen finden sie auf der Webseite www.sehbehindertenspezialist.de der A. Schweizer GmbH.